Gewaltfreie Kommunikation – Wie du liebevoller wirst

Gewaltfreie Kommunikation - die Giraffensprache

Gewaltfreie Kommunikation oder auch Giraffensprache: was finde ich so toll daran? Was fasziniert mich so sehr, dass ich darüber ein eigenes Blog schreibe?

Die Gewaltfreie Kommunikation ist zweierlei. Man macht sich zunächst über vier Schritte bewusst, wie es einem in einer bestimmten Situation geht und was man will.

 

  1. Beobachten, ohne zu bewerten
  2. Gefühle erspüren
  3. Bedürfnisse definieren
  4. Eine Bitte formulieren
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Empathisch, klar, wertschätzend

Die vier Schritte sind wiederum ein Hilfsmittel, um sich klar, empathisch und wertschätzend auszudrücken. Aber die vier Schritte sind wirkungslos, wenn ich die liebevolle, achtsame Haltung der gewaltfreien Kommunikation nicht verstehe. Damit das klarer wird, machen wir einen Ausflug in die Tierwelt.

Welches Tier hat den besten Überblick und das größte Herz?

Richtig! Die Giraffe!

Um die Gewaltfreie Kommunikation griffiger und leichter verständlich zu machen, benutzte Marshall B. Rosenberg in seinen Seminaren Handpuppen. Die Giraffe steht für die wertschätzende, offene und interessierte Haltung, die ich einem Gesprächspartner gegenüber einnehmen will. Damit schaffe ich die Voraussetzung, dass unsere Kommunikation erfolgreich verläuft und wir zu einer Lösung kommen, die die Bedürfnisse von allen berücksichtigt. Daher wird Gewaltfreie Kommunikation auch oft Giraffensprache genannt.

 

Gewaltfreie Kommunikation bedeutet Giraffensprache sprechen

Dank des langen Halses kann die Giraffe ihre Umgebung von oben weit überblicken. Sie kann sich eine Situation mit Abstand genau anschauen. Das entspricht dem ersten Schritt im Prozess der Giraffensprache. Zuerst schaut die Giraffe, was los ist. Und so langsam fühlt sie ihr Herz. (Es ist deshalb so groß, weil es das Blut bis in den Kopf pumpen muss.) Der zweite Schritt ist das Wahrnehmen meiner Gefühle in einer spezifischen Situation. Wenn ich nun unangenehme Gefühle fühle, etwa Unsicherheit oder gar Wut. Dann sind das Hinweise auf unerfüllte Bedürfnisse.

 

In 4 Schritten zu einfühlsamen Gesprächen

 

Gefühle spüren

Hier ein Beispiel. Stelle dir folgende Situation vor. Es ist Samstag Nachmittag. Gerade hast du es dir auf dem Sofa bequem gemacht. Dann sagt dein Partner oder deine Partnerin zu dir: „Du hast die Milch schon wieder nicht in den Kühlschrank gestellt.“ (Beobachtung)

Welches Gefühle könntest du nun haben? Ich würde mit Sicherheit sauer werden.

Wie würdest du reagieren? Du könntest die Milch einfach wieder in den Kühlschrank stellen. Aber dieser Satz wurmt dich sehr. Daher überlegst du dir warum.

Du denkst daran, dass du heute Morgen schon den Großeinkauf erledigt hast. Danach hast du ziemlich lange gebraucht, um die Wohnung aufzuräumen. Du bist müde und willst Pause machen. Dann hörst du diesen Satz.

Bedürfnisse benennen

Jetzt stelle ich euch ein zweites Tier vor: den Wolf.

Der Wolf verkörpert die Art der Kommunikation, die wir gewohnt sind. Der Wolf ist relativ klein – verglichen mit der Giraffe. Er kann sich die Welt nicht von oben anschauen. Aber er kann laut bellen, Leute sogar anspringen und mit Krallen und Zähnen verletzen.

Wenn du jetzt hörst: „Du hast die Milch schon wieder nicht in den Kühlschrank gestellt.“, dann fängt der Wolf in dir zu knurren an. Er fühlt sich angegriffen, hört Kritik. Du könntest jetzt zum Angriff übergehen und sagen: „Dann räum du sie doch weg.“

 

Gewaltfreie Kommunikation – den Wolf zähmen

Wenn du stattdessen die Haltung der Giraffe einnimmst, könnte sich folgendes abspielen: Du hälst inne. Du spürst den Ärger. Aber du fragst dich, warum dich dieser Satz so sauer macht. Dann könntest du darauf kommen, dass du Respekt (Bedürfnis) für deine Arbeit vermisst. Du fühlst dich nicht gesehen (Bedürfnis). Und das kannst du deinem Partner auch sagen.

Man könnte auch sagen, dass das Erlernen der gewaltfreien Kommunikation bedeutet die Giraffensprache zu lernen. Die Wolfssprache beherrschen wir schon. Das ist die Sprache, die uns „normal“ vorkommt, obwohl sie darauf ausgerichtet ist Angst, Schuld und Scham auszulösen. In dieser Tabelle stelle ich die beiden Sprachen einander gegenüber. Du kannst selbst entscheiden, was dir sympathischer ist.

GiraffenspracheWolfssprache
DUICH
„Wir suchen gemeinsam.“„Ich mache Druck“
„Ich höre dir empathisch zu. Ich möchte wissen, was in dir lebendig ist.“„Ich urteile über dich. Ich belohne oder strafe dich.“
Wertschätzung, KooperationAngst, Schuld und Scham, Konfrontation
win-winwin-lose
Liebevolle Kommunikation„normal“, was wir gelernt haben, Alltag, „innerer Kritiker“

Empathie in der Giraffensprache

Ziel der gewaltfreien Kommunikation ist es, eine empathische Haltung einzunehmen, aber ohne Verbissenheit. Im Prozess der vier Schritte geht es nicht um schnelle Lösungen. Es geht um das Zuhören. Zuerst höre ich mir selber zu und nehme meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahr und ernst. Das ist für den Anfang schon mehr als genug. Wenn ich geübt darin bin, meine eigenen Gefühle zu spüren und Bedürfnisse zu benennen, wird es leichter werden, anderen in dem Prozess zu helfen. Die höchste Form des Zuhörens ist empathisches Zuhören.

 

Über Marshall B. Rosenberg

Sich die gewaltfreie Kommunikation ausgedacht, weiterentwickelt und verbreitet hat der US-Amerikaner Marshall B. Rosenberg (1934-2015). Als Kind und Jugendlicher machte Rosenberg selbst prägende Gewalterfahrungen. Drei Fragen beschäftigen Rosenberg schon in seiner Jugend und bildeten später die Grundlage für die gewaltfreie Kommunikation:

  1. Was bringt Menschen dazu, sich gewalttätig und ausbeuterisch zu verhalten?
  2. Warum lassen manche Menschen andere Menschen gerne leiden?
  3. Warum bleiben manche Menschen selbst unter grauenvollen und gewalttätigen Gegebenheiten einfühlsam?

Während seines Psychologiestudiums lernte Rosenberg von  dem Soziologen Michael Hakeem, dass die Strukturen einer Gesellschaft zum Verhalten der Menschen beiträgt. Wesentlich beeinflusst wurde Rosenbergs Arbeit auch von den Erkenntnissen seines Lehrers Carl Rogers, der  die Bedeutung von Empathie, Aufrichtigkeit, Authentizität und Gleichwertigkeit im Therapie-Prozess betonte. Viele Aspekte der Gewaltfreien Kommunikation „hat er von Buddha geklaut“, wie Rosenberg es selbst formulierte. Den Begriff der Gewaltfreiheit übernahm er von Gandhi.

1984 gründete er das „Center for Nonviolent Communication“ (CNVC) in Sherman, Texas, und war viele Jahre als international anerkannter Konfliktmediator, Trainer und Redner tätig.

 

Liebst du mich? Video mit Marshall B. Rosenberg

Von Rosenbergs Charisma kannst du dich im folgenden Video überzeugen. Ich mag das Video, weil es auf sehr witzige Art zeigt, wie Gewaltfreie Kommunikation funktioniert: aus der Deckung gehen, sich zeigen und klar sagen, wie man seine Bedürfnisse erfüllt haben möchte. So dass man eben nicht nach der fünften Scheidung noch nach dem „richtigen“ Liebespartner sucht. Aber seht selbst!

Wenn ihr nach dem Start auf „cc“ im unteren, rechten Bildrand klickt, erscheint der deutsche Untertitel.

 

Hast du Lust bekommen die Giraffensprache zu lernen? Wenn du Fragen hast oder Feedback geben willst, dann nutze die Kommentarfunktion oder schreibe mir über „Kontakt“ direkt eine Mail.

KONTAKT

  • Hallo Regina,
    ich habe Deine Buchempfehlung von Brene Brown gelesen und fand vieles darin sehr hilfreich, auch wenn es für mich sehr amerikanisch aufgezogen ist. Ich habe sogar den Mut gefunden, mich in einer Angelegenheit einer anderen Person zu öffnen, wovor ich mich bisher eher gescheut hatte um mir keine Blöße zu geben. Es ist dabei sehr viel Nähe und Verbundenheit entstanden und ich danke Dir sehr für den Hinweis.