Gewaltfreie Kommunikation Schritt 2: Gefühle erspüren

Neue Wörter lernen: Gefühle, Emotionen und Bedürfnisse Liste

Ich habe das Gefühl, dass es nun an der Zeit ist, über Gefühle zu schreiben. Drücke ich mit diesem Satz tatsächlich ein Gefühl aus? Du hast es erraten! Nein! Auch wenn wir im Alltag oft das Wort „Gefühl“ gebrauchen, drücken wir damit etwas anderes aus: nämlich eine Meinung oder einen Gedanken. Und das immer in der Kombination: „Ich habe das Gefühl, dass…“

Gefühle arbeiten im Körper

Echte Emotionen wie Freude oder Ärger hat jeder.  Gefühle erspüren wir im Körper, z.B wenn sich der Hals rauh anfühlt oder uns ein Schauer über den Rücken läuft. Aber wie und warum sich welche Emotion in einer bestimmten Situation einstellt, ist von Mensch zu Mensch verschieden und hängt von seinen Erfahrungen ab. Emotionen sind vielschichtig. Es gibt angenehme und unangenehme. Meine Erfahrung ist, dass wir vieles gar nicht mehr fühlen. Wir lassen selbst angenehme Gefühle oft nicht zu.

Wegweiser zu den Bedürfnissen

In der Gewaltfreien Kommunikation dienen Gefühle als Wegweiser hin zu dem Bedürfnis oder den Bedürfnissen, die in einer bestimmten Situation erfüllt oder auch nicht erfüllt sind. Aber welche Gefühle erspüren wir dann? Als Neuling in der Gewaltfreien Kommunikation kannst du dir dazu eine Liste von Gefühlsbegriffen ansehen und entscheiden, welcher in einer bestimmten Situation gerade auf dich zutrifft. Diese Liste ist sehr hilfreich, weil wir im Alltag unsere Emotionen nicht nur nicht spüren, sondern auch gar nicht genug Worte haben, sie zu benennen. Um dir einen Weg durchs Labyrinth der Empfindungen zu bahnen habe ich eine Liste angenehmer Gefühle bei erfüllten Bedürfnissen und eine Liste unangenehmer Gefühlen bei unerfüllten Bedürfnissen erstellt.

Was hinter der Wut steckt

Als ich mit der Gewaltfreien Kommunikation anfing, war ich voller Wut. Wut ist eine sehr starke Emotion, die in ihrer extremsten Ausprägung zu körperlicher Gewalt, Krieg und Terror führt. Und sie ist auch ein kompliziertes Gefühl, weil unter der Wut oft etwas ganz anderes steckt. Bei mir entlud sich die Wut oft indem ich meine Kinder anschrie. Ich merkte wohl, dass es so nicht geht. Ich handelte in einer Weise, wie ich es nicht wollte. Nach einem besonders üblen Wutanfall, nachdem ich wirklich am Boden zerstört war, suchte ich nach Hilfe – zunächst in Buchform. Ich stieß auf Marshall Rosenbergs: „Was deine Wut dir sagen will – Überraschende Einsichten“. Nachdem ich es gelesen hatte, war mir klar, dass meine Wut ein Ventil für andere Emotionen war, nämlich Trauer, Angst und Erschöpfung.

Auf dem Weg zu einer Lösung

Und diese Gefühle deuteten wiederum auf meine unerfüllten Bedürfnisse, nämlich gesehen werden, Harmonie und Nähe. Das klingt doch schon viel besser oder? Und das klingt auch schon viel näher an einer Lösung, oder?

Das ist auch der Grund, warum man in der Gewaltfreien Kommunikation bei sich selbst anfängt. Man schaut zunächst, wie es einem selber geht. Man geht mitfühlend mit sich selber um und schafft somit Raum, um auch mit seinem Konfliktpartner mitfühlend umzugehen. Meine Kinder hatten in den Situationen, wo bei mir das Fass überlief, auch Gefühle und Bedürfnisse, die sie erfüllt haben wollten. Wenn ich mir das bewusstmache, schaffe ich Verbindung – ein zentraler Wert der Gewaltfreien Kommunikation.

Wenn wir jetzt die Grundannahme der Gewaltfreien Kommunikation im Kopf haben: „ Alles, was wir tun, tun wir, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen“, können wir unseren Mitmenschen gegenüber mitfühlender sein.

Echte Emotionen wahrnehmen

Und was ist mit den angenehmen Gefühlen? Dass ich selbst angenehme Empfindungen nicht zulasse, wurde mir im Laufe der Beschäftigung mit der Gewaltfreien Kommunikation deutlich. Ich kam an einen Punkt, wo ich merkte, dass es mir besser ging. Ich fühlte mich motivierter und inspirierter im Alltag und war auf einmal mutiger.

Diese Gefühle habe ich so lange nicht mehr gespürt, dass ich Angst hatte, sie wären nicht echt und würden bald wieder vergehen. Obwohl sie sich gut und angenehme anfühlten, dauerte es einige Zeit bis ich sie zulassen konnte. Ich arbeite immer noch daran mir selbst zu trauen und mich nicht immer in Frage zu stellen. Selbst wundervolle Gefühle wie Freude, Nähe oder Liebe lasse ich nur sehr schwer zu. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese in vielen Familien durch die Alltagsroutinen oft verschütt geraden. Und dabei sind sie so zentral.

Wortschatz der Gefühle lernen

Wenn du Worte brauchst, um deinen Gefühlswortschatz zu erweitern, dann schau dir die Gefühlslisten an. Wenn wir wissen, welche Emotionen wir haben und die passenden Wort, um sie auszudrücken, können wir es anderen gegenüber ausdrücken. Wir haben die Möglichkeit uns zu zeigen. Gefühle erspüren ist wichtig, um sich selbst näher zu sein.

Wie geht es dir mit deinen Gefühlen? Wenn du Fragen hast oder Feedback geben willst, dann nutze die Kommentarfunktion oder schreibe mir über „Kontakt“ direkt eine Mail.

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